Sonntag, 18. Mai 2008

vom Freitag

Hab meinen Blog schon etwas vernachlaessigt in letzter Zeit. Liegt vielleicht auch daran, dass sich meine Wohnsituation vor einer Woche total geaendert hat, dass es am Ende des Semesters Stress wegen der Noten gibt (haette ja nicht gedacht, dass mich das als Praktikantin auch betreffen wird) und dass die grossen Internetcenter aufgrund des Virus, der hier gerade umgeht und vor allem Kinder angreift, geschlossen haben. Ich hab jetzt aber ein kleines gefunden, das trotzdem offen hat. Leider ist das Internet hier sehr langsam.

Meine Gastfamilie ist innerhalb kuerzester Zeit umgezogen. Ich hatte schon befuerchtet, dass ich mir eine neue Bleibe suchen muss, aber sie haben mich netterweise einfach mituebersiedelt. Wir wohnen jetzt in einer Wohnung viel naeher am Stadtzentrum. Ich hab mich seit ueber einer Woche nicht mehr in den Bus quetschen muessen :-) und brauche nur ungefaehr 10 Minuten zu Fuss auf die Uni! Es ist ein gutes Gefuehl, wieder mobiler zu sein. Ein grosses Plus ist auch, dass wir jetzt wieder warmes Wasser haben. Der Wintereinbruch Anfang Mai hat das Leben in einem Haus ohne Heizung und warmes Wasser schon ungemuetlich gemacht. Wenn es im Bett wenigstens wirklich warm gewesen waere, haette ich mir in der Frueh ja gedacht, ich bleib einfach liegen, aber so angenehm war’s da auch nicht. Dann weiter ins kalte Bad. Brrrrrrrr. Haett nicht gedacht, dass ich meine Thermo-Unterwaesche im Mai noch mal brauchen wuerde. Aber das Frieren hat ja jetzt ein Ende. Draussen ist es auch endlich wieder Fruehling geworden und die Baeume bekommen langsam ihre Blaetter.

In letzter Zeit bin ich wieder einmal in meinem Entschluss, in Zukunft nie mehr an einer Schule oder einer Uni zu unterrichten, bestaetigt worden. Notengebung ist einfach nichts fuer mich. Selbst wenn ich mich im Unterricht ueber so manchen Studenten geaergert habe, sind die enttaeuschten Gesichter, wenn sie ihre Note erfahren, schwer zu ertragen.
[...]
Auch heute musste ich in der Frueh aufgrund chaotischer Umstaende 1 1/2 Stunden warten, bis alle StudentInnen da waren, um mit dem Test in Landeskunde beginnen zu koennen. Da ich dieses Fach ganz alleine unterrichte, bin ich hier bei der Notengebung voellig auf mich allein gestellt. Als ich das erfahren habe, war ich nicht sehr begeistert, aber irgendwie hatte ich das eine Weile sehr gut verdraengt, und nur versucht, interessanten Unterricht zu machen, ohne staendig alle Leistungen der StudentInnen zu bewerten. Damit ich irgendwie auf faire Weise zu meinen Noten komme (ein paar Namen verwechsle ich in dieser Klasse immer noch), musste also ein Test angesetzt werden. Leider muss ich hier wieder einmal aus meinen Fehlern lernen. Ich habe den StudentInnen vor zwei Wochen eine Liste von moeglichen Pruefungsfragen gegeben, damit sie sich gut auf die Pruefung vorbereiten koennen und ich allen guten Gewissens gute Noten geben kann. Fragen gab es dazu in der Stunde vor der Pruefung natuerlich keine. Es war allerdings ein Fehler anzunehmen, dass alle in der Lage waeren, die Antworten, die sich nur auf das bezogen, was wir im Unterricht durchgenommen haben, mit Hilfe ihrer Mitschrift oder ihrer MitstudentInnen zu erarbeiten und zu lernen. Heute sitzen doch tatsaechlich zwei da, die fast gar nichts schreiben koennen und nur muehsam ein paar Fragen durch Abschreiben beantworten koennen. Wenn ich nach meinem ausgedachten Schema vorgehen wuerde, wuerde der Grossteil trotz Zusatzfrage mit Bonuspunkten und trotz meines Wegschauens bei offensichtlicher Gruppenarbeit durchfallen. Ein Alptraum. Bald find ich’s ja nur mehr lustig. Auf jeden Fall muss ich mir da noch etwas einfallen lassen (Sonst muss meine Nachfolgerin womoeglich dann im Herbst gleich zum Einstieg die Nachpruefungen meiner StudentInnen abhalten ;-)). Irgendetwas laeuft hier falsch. Uiuiui, die armen StudentInnen, die das Pech haben, von einer unerfahrenen Praktikantin benotet und mit zu hohen Anforderungen konfrontiert zu werden. Wenn dann bald die Noten endgueltig feststehen, brauch ich wenigstens nicht mehr von Pruefungen zu traeumen, die ich irgendwo vergessen habe, und kann wieder ruhig einschlafen.

Na ja, gut geschlafen hab ich gestern eigentlich auch, nachdem den ganzen Tag gefeiert wurde. Die StudentInnen des vierten Jahrgangs hatten ihr Abschlussfest (das so genannte Glockenfest – angeblich stammt das von den Russen?). Das war wirklich ein Erlebnis. So viele Studentinnen in schoenen, extra fuer den Anlass geschneiderten Kleidern (die Fotos zeig ich euch dann, wenn ich wieder zurueck bin), Blumen, Champagner. Ich wusste gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte. Alle LehrerInnen wurden feierlich zum Essen eingeladen und am Abend ging’s noch in die Disko. MongolInnen wissen eben, wie man feiert. Das merk ich immer wieder.
Mein Fazit: Besser zum Feiern als zum Arbeiten in die Mongolei kommen.

Montag, 5. Mai 2008

Vom 2. Mai

Als ich heute in der Frueh beim Fenster hinausgeschaut habe, war alles weiss. So viel Schnee auf einmal hab ich hier noch gar nicht gesehen. Auch wenn es sehr gut fuer den trockenen Boden ist, freut mich dieser Anblick im Mai nicht mehr wirklich; vor allem weil wir seit gestern keine Heizung und auch kein warmes Wasser mehr haben. Na ja, die kalte Dusche heute war sicher gut fuer meinen Kreislauf. Es gibt auch einen kleinen Warmwasserbehaelter, der zum Haare Waschen ausreicht. Fuer eine warme Dusche werden wir wahrscheinlich ab jetzt zu Verwandten fahren.

Wie versprochen, kommen jetzt ein paar Fotos:


So sieht Ulaanbaatar aus, wenn ein Sandsturm droht. Zuerst wollte mir das noch jemand als Gewitter verkaufen, aber ich hab mir gleich gedacht, dass es wohl Sand sein muss, wenn der Himmel so schmutzig aussieht. Ein paar Minuten spaeter hat uns der Sturm auch schon am Aussichtspunkt erreicht. Wer konnten uns gerade noch rechtzeitig ins Taxi fluechten. So kann das ja ganz lustig sein, aber wenn man einen Termin hat, bei dem man halbwegs ordentlich aussehen sollte, ist es nicht so angenehm, wenn man sich auf dem Weg dorthin durch den Sand kaempfen muss.


Mit Sand im Haar lassen sich interessante Frisuren formen. Da hatten wir uebrigens noch eine Heizung und da es zusaetzlich ein warmer Tag war, war ich sommerlich gekleidet. Die Raeume waren zeitweise ueberheizt und ich habe trotz Minusgraden bei offenem Fenster geschlafen, bis ich herausgefunden hab, dass man die Oefen auch einzeln abschalten kann.


Das Choijin Lama Kloster, das jetzt nur mehr ein Museum ist, dafuer ein sehr eindrucksvolles.



Zum Schluss noch meine russische Geburtstagstorte, die mir meine Gastfamilie geschenkt hat. Die hat um einiges besser geschmeckt als die picksuessen mit Mengen an Zuckerguss ueberzogenen mongolischen Torten, die ich bisher gekostet habe. An Geschenken hat es mir auch nicht gefehlt. Mit meinen KollegInnen von der Uni war ich dann spaeter noch feiern. War ein sehr netter Abend.

Donnerstag, 1. Mai 2008

Haette nicht gedacht, dass ich das hier mal sagen werde, aber die letzte Zeit war ein bisschen stressig. Gegen Semesterende finden alle Veranstaltungen gleichzeitig statt: Bildungsmesse, Schulung, Pruefungen, Tag der offenen Tuer, Rezitationswettbewerb etc. Deshalb hab ich's auch nicht ins Internet"Cafe" geschafft, um etwas zu schreiben. Die Zeit des Winterschlafs ist also endgueltig vorbei.
Das naechste Mal werde ich auch ein paar Fotos nachliefern. Hab nur meinen USB-Stick verborgt und jetzt ist er, glaub ich, mit noch mehr Viren versehen.

Als ich nach meinem letzten Blog die Strasse ueberqueren musste, hat sich uebrigens eine Frau bei mir eingehaengt. So verkehrssicher bin ich inzwischen also.

Muss auch schon wieder gehen, weil ich mich mit einer Mongolin treffe. Wenn ich wollte, koennte ich hier wahrschienlich Tag und Nacht Deutsch unterrichten. MuttersprachlerInnen sind halt sehr gefragt.

Donnerstag, 17. April 2008

Sandsturm

Das fruehsommerliche schoene Wetter wurde heute von Sandstuerrmen abgeloest. Da nuetzen die warmen Temperaturen nichts, im Freien ist es trotzdem gerade nicht sehr gemuetlich. Ich habe schon das Gefuehl, eine Sandkruste in meinem Gesicht zu haben (nein, ist etwas uebertrieben).

Im Bus war es heute in der Frueh auch alles andere als gemuetlich. Ich war so eingepfercht, dass ich gar nicht mehr tief atmen konnte. Ich frag mich, wie es die Mongolinnen schaffen, bei diesem Wetter und nach einer schweisstreibenden Busfahrt immer noch so schoen und gepflegt auszusehen. Vielleicht hat es mit der langen Vorbereitungszeit vor dem Spiegel zu tun.

An den vielen Verkehr hab ich mich mittlerweile auch etwas gewoehnt. So hilflos wie am Anfang bin ich zum Beispiel beim Ueberqueren einer Strasse ohne Ampel nicht mehr. Da hat sich ja auch einmal eine Mongolin meiner erbarmt und mich beim Arm genommen. Das lustige ist ja, dass man manchmal nicht einmal bei Kreuzungen mit einer Fussgaengerampel eine Chance hat, auf die andere Seite zu kommen, bevor es wieder rot wird. Irgendwas funktioniert da nicht ganz. Heute hab ich es dafuer ohne Probleme geschafft, ueber eine Kreuzung zu kommen, bei der die Ampel gerade ausgefallen war und die Autos von allen Seiten auf einmal in die Kreuzung einfahren wollten. In solchen Faellen dauert es aber meistens nicht lange, bis ein Verkehrspolizist zu Hilfe kommt und versucht, das ganze wieder zu regeln.

Montag, 14. April 2008

Fruehling!!!

Heute ist es so warm, dass viele schon ohne Jacke unterwegs sind. Und bei so viel Sonnenschein kann gar keine schlechte Laune aufkommen. Das Leben ist so viel schoener, wenn es keine Minusgrade hat. Aber wahrscheinlich verschrei ich es jetzt wieder. Nach meinem letzten Blogeintrag, in dem ich mich ueber das warme Wetter gefreut habe, hat es am naechsten Tag gleich geschneit.

Gestern war ich in der Oper und hab mir die Zauberfloete angeschaut. Das war mal eine andere Opernerfahrung. Ist ja schon ungewohnt, wenn alle Rollen von MongolInnen gespielt werden. Pamina, eine mongolische Prinzessin. Lustigerweise haben aber die meisten auf Deutsch gesungen. Nur der gesprochene Text war ganz auf Mongolisch.
Mich hat es ja gewundert, dass die Oper puenktlich angefangen hat. Dafuer waren nach der Ouverture noch immer nicht alle auf ihren Plaetzen. Die Programmverkaeuferin musste noch mit einem Kameramann verhandeln, dass er sich und seine Kamera nicht in der fussfreien Reihe vor dem Publikum platziert. Ueberhaupt herrschte waehrend der ganzen Vorstellung ziemliche Unruhe im Publikum. Es war ein Kommen und Gehen, es wurde getratscht und staendig fotografiert, Handys laeuteten, ein Baby brabbelte vor sich hin und blendete mich mit dem Handy der Mutter. Schon lustig, dass es in Wien schon manchmal nervt, wenn die alten Damen waehrend der Vorstellung zu laut mit ihren Zuckerln rascheln.
Die Musik hoerte sich fuer meine Ohren auch ein bisschen anders an, aber vielleicht hab ich sie ja auch falsch in Erinnerung. Die Koenigin der Nacht, auf deren Arie ich mich schon gefreut hatte, war etwas ueberfordert mit ihrer Rolle. An einem gewissen Punkt war es nur mehr schrill. Dafuer hat die Pamina schoen gesungen. Und am Schluss sind Papageno und Papagena mit 8 gelben Vogelkindern auf die Buehne gekommen.

Montag, 7. April 2008

Endlich raus aus der Stadt

Der Unterricht von letztem Dienstag ist mir zwar noch laenger im Magen gelegen, auch wenn ich weiss, dass ich es nicht persoenlich nehmen soll. Dafuer wurde ich gestern mit einem Ausflug aufs Land entschaedigt. Ich habe naemlich letzte Woche eine nette mongolische Studentin kennen gelernt, die mit mir in den Terelj Naturpark gefahren ist. So schoen, einmal die Stadt zu verlassen und endlich einmal etwas vom Land zu sehen. Noch ist alles braun, aber Hauptsache mal frische Landluft atmen. In Terelj gibt es interessante Felsformationen, wie zum Beispiel den Schildkroetenfelsen:


Auf meinen schnellen Schnappschuessen kann man leider nicht so viel erkennen von der Landschaft.

Auf diesen Felsen unten sind wir hinauf geklettert bis zu der Hoehle, die man vielleicht erkennen kann. Dort haben die Kommunisten angeblich 1000 Lamas erschossen. Etwas gruselig.

Als wir so herumspaziert sind, ist mir erst aufgefallen, wie sehr mir meine Spaziergaenge in der Natur fehlen. Bin ja kein richtiger Stadtmensch.
Ich werde auf jeden Fall noch einmal nach Terelj fahren, wenn alles gruen geworden ist. Vielleicht auch mit einer meiner Besucherinnen? Am Strassenrand stehen Leute und vermieten ihre Pferde und Kamele. Einen abgerichteten Adler hab ich auch gesehen. Mittlerweile ist es dort allerdings schon ein bisschen touristisch geworden. Viele Tourist Camps, wo man in Jurten uebernachten kann. Wir sind sogar an zwei Golfplaetzen vorbeigefahren.
Trotzdem freu ich mich schon, wenn ich dort mal wandern oder reiten gehen kann. Aber dann ist da ja noch der ganze Rest der Mongolei, der erkundet werden will.

Nach diesem schoenen Wochenende kann ich jedenfalls gestaerkt in die neue Woche gehen und mich morgen wieder meinen faulen StudentInnen widmen.

Mittwoch, 2. April 2008

Vom 1.4. - leider kein Aprilscherz

Heute waer ich am liebsten mitten im Unterricht gegangen. Die StudentInnen waren (mit ein paar Ausnahmen) so desinteressiert und anderswaertig beschaeftigt, dass ich mich echt gefragt habe, was ich da noch soll. Auf die Frage, ob ihnen mein oesterreichischer Hoertext zu schwierig war oder ob es sie einfach nicht interessiert, hat eine wenigstens ehrlich geantwortet, dass es nicht interessant ist. Sie wuerde lieber einen Film ansehen. Ja, damit sie sich nach zehn Worten, die sie nicht versteht, in Ruhe mit ihrem Handy beschaeftigen, sich schminken, mit ihrer Nachbarin tratschen oder sonst irgendwie ablenken kann. Man merkt, ich bin mit meiner Geduld und auch mit meiner Weisheit am Ende. Zumindest was diese Klasse betrifft. Dabei hatte ich nach letzter Woche endlich das Gefuehl, einen Zugang zu ihnen gefunden zu haben. Aber letzten Endes liegt es ja immer an der Lehrerin. Also werde ich nicht aufgeben und von neuem versuchen, ihnen einen interessant(er)en Unterricht zu bieten. Es gibt schliesslich auch ein paar wenige in der Klasse, die wirklich Deutsch lernen wollen und nicht nur dasitzen, um am Ende ein Diplom in Haenden zu halten.